Die Wende als Teil von uns
Unternehmenskultur mit Geschichte
Früh am Morgen liegt ein Hauch von Rauch und Metall in der Luft über dem alten Fabrikgelände an der Gasanstalt in Rathenow. Ein firmeneigener Lastwagen mit der Aufschrift „Wir machen richtig Feuer“ rollt knatternd durchs Werktor und hinaus in den Nebel, der von der Havel herüberzieht. Hier, wo schon zu DDR-Zeiten Feuer im Ofen war, spürte jeder das lebendige Erbe einer wechselvollen Firmengeschichte und ein neues Kapitel, das Ost und West heute gemeinsam weiterschreiben.
In den 1980er Jahren gehörte der VEB Ofen- und Herdbau Rathenow, kurz „Ohra“, mit über 600 Beschäftigten in Spitzenzeiten zu den größten Betrieben der Region. Jahr für Jahr liefen rund 150.000 Dauerbrandöfen „Made in Rathenow“ vom Band. So gut wie jeder im Osten kannte den legendären Ohra-Ofen, jene robusten Heizöfen, die zuverlässig in unzähligen Wohnzimmern der DDR für Wärme sorgten. Doch die Wende veränderte alles. Mit der Marktwirtschaft kamen Unsicherheit und Schrumpfkur: Aus dem Großbetrieb wurde ein Sanierungsfall, der nach 1990 privatisiert wurde. 1992 ging der Rathenower Ofenbau erstmals in westdeutsche Hände über. Doch die neuen Besitzer, darunter zeitweise auch der westfälische Ofenhersteller Olsberg, konnten den Niedergang nicht aufhalten. Anfang der 2000er Jahre war von der einstigen Größe wenig übrig. „Diese Tage sind lange vorbei“, resümierte ein Lokalblatt trocken über die Blütezeit des Ohra-Werks. Die Produktion lief zwar weiter, aber der Betrieb schrumpfte zusehends.
Im Jahr 2004 erreichte die Krise ihren Tiefpunkt: Absatzschwierigkeiten und die Schieflage der damaligen Muttergesellschaft brachten die Rowa – so der neue Name des Werks – an den Rand des Aus. Der Unternehmer Waldemar Rokossa aus dem niedersächsischen Bissendorf übernahm den Traditionsbetrieb und gliederte ihn als Tochter in seine Schmid Feuerungstechnik GmbH ein. „Wir haben viel erlebt, aber Aufgeben stand nie zur Debatte. Dafür war die Verbundenheit zum Werk und zu den Kollegen zu groß“, erinnert sich Rolf Witkowski, der seit 1985 im Werk arbeitet. Die Belegschaft stabilisierte sich bei rund 50 festen Arbeitsplätzen, und die Produktion pendelte sich bei etwa 20.000 Feuerstätten im Jahr ein. Es kam zwar frischer Wind ins Werk, doch das alte Gebäude an der Gasanstalt war längst in die Jahre gekommen. Improvisierte Arbeitsplätze, klamme Wintertage, undichte Tore. 2021 kam dann die Entscheidung für einen Neubau und 2023 folgte schließlich der Umzug: Vom alten Werkskomplex an einen neuen Standort mit besseren Bedingungen für Produktion und Mitarbeitende. Mit der staatlichen Einheit 1990 begann für den Rathenower Ofenbau ein neuer Weg. Heute, 35 Jahre später, zeigt sich, dass unsere Arbeit aus vielen Jahren gemeinsamer Erfahrung gewachsen ist.
35 Jahre staatliche Einheit Deutschland
Am 3. Oktober 1990 fand der Prozess der Wiedervereinigung mit dem offiziellen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik seinen formalen Abschluss. Damit war nach 45 Jahren der Trennung die staatliche Einheit Deutschlands wiederhergestellt.