Katalysatoren im Ofenbau
Innovation wächst mit Regeln und Förderung
Während politisch und gesellschaftlich der Ruf nach sauberer Verbrennung und innovativen Filterlösungen immer lauter wird, geraten Pioniere wie die Blue Fire GmbH zunehmend unter Druck. Das Unternehmen entwickelt Katalysatoren, die Emissionen deutlich reduzieren und damit einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Gesundheitsschutz leisten könnten. Doch weil der Einbau solcher Systeme aktuell nicht gesetzlich verpflichtend ist, entscheiden sich die Nutzer nur selten für diese zusätzliche Optimierung. Die Folge: Die Nachfrage bleibt gering, der Preis für das Produkt hoch und das Geschäftsmodell steht auf der Kippe. Ein Paradoxon, das langfristig genau die Unternehmen gefährdet, die eigentlich Teil der Lösung sind.
Camina & Schmid: Ihr Unternehmen bietet eine Lösung für ein Problem, das politisch und gesellschaftlich viel diskutiert wird: Ein zu hoher Emissionsausstoß. Ihre Katalysatoren reduzieren nachweislich den Ausstoß von Kohlenstoffmonoxid (CO) und kohlenstoffartige Verbindungen (OGC) um ein Vielfaches. Warum kommen die Katalysatoren trotzdem nur wenig zum Einsatz und was müsste sich ändern?
Frank Hoferecht: Der Grund dafür, dass Katalysatoren nicht flächendeckend eingesetzt werden, ist die fehlende gesetzliche Vorgabe, welche die Minderung von gasförmigen Emissionen und damit die Nutzung von Katalysatoren, einfordert. Die aktuell gültigen Emissionsgrenzwerte für CO und OGC werden durch die Ökodesignrichtlinie vorgegeben. Demnach dürfen 1500 mg CO pro Normkubikmeter Abgas emittiert werden. Die Ökodesignrichtlinie ist hier rechtlich relevant, sie ist stärker als die deutsche BImSchV. Bis dahin haben wir uns in der Bundesrepublik an die Grenzwerte aus der 1. BImSchV gehalten. Dort sind seit 2010 1250 mg CO pro Normkubikmeter Abgas zulässig, für Kaminöfen und Kamineinsätze, wie Sie diese herstellen. Mit der Klarstellung, dass die Ökodesignrichtlinie die rechtlich relevante Vorgabe ist, wurde somit der Grenzwert für CO von 1250 mg pro Normkubikmeter Abgas auf 1500 mg pro Normkubikmeter aufgeweicht. Ein weiterer Grund ist, dass die Kosten für Katalysatoren aktuell noch als zu hoch angesehen werden. Sobald wir in Stückzahlen größer 1000 Stück pro Auftragslos kommen, sind wir in der Lage, unsere vollautomatische Beschichtungsanlage für die Blue Fire Katalysatoren zu rüsten. Unterhalb einer solchen Stückzahl ist es wirtschaftlich interessanter, die Blue Fire Katalysatoren manuell also per Hand zu beschichten. Bei großen Stückzahlen und Nutzung von vollautomatischen Fertigungsanlagen können wir die aktuellen Preise für Blue Fire Katalysatoren in etwa halbieren. Aufgrund des mehrstufigen Vertriebs von Holzfeuerungen, werden Zulieferteile entsprechend hochkalkuliert. (…) Alternativ könnte man Katalysatoren mit geringeren Zuschlägen versehen, um den Verbrauchern einen günstigeren Preis anzubieten. Neben strengeren gesetzlichen Vorgaben können auch passende Förderprogramme dazu führen, dass die Katalysatortechnologie in den Markt kommt. Wir sehen das am Beispiel der Conto Termico Förderung in Italien. Dort gelten die gleichen EU-Vorgaben wie in Deutschland. (…) Der Markt für Blue Fire Katalysatoren funktioniert in Europa gut, weil es eben innovativere Märkte, wie z.B. in Italien oder in Frankreich gibt.
Camina & Schmid: Herr Hoferecht, wie beurteilen Sie aktuell die Nachfrage nach emissionsreduzierenden Katalysatoren im Heizungs- und Ofenbau, sowohl aus Sicht der Hersteller, die entwickeln und zulassen, als auch aus Sicht der Endkunden?
Frank Hoferecht: Einige deutsche Hersteller setzen Blue Fire Katalysatoren bereits seit vielen Jahren in den Produkten ein. (…) Dann gibt es ebenfalls deutsche Hersteller, die wegen der Marktüberwachung Blue Fire Katalysatoren in deren Feuerungen einsetzen. (…) Insbesondere für die Märkte in Italien und Frankreich nutzen deutsche und zahlreiche andere Hersteller aus Europa die Fähigkeiten der Blue Fire Katalysatoren, um die Bedingungen für die Förderprogramme Conto Termico (Italien) und Flamme Verte (Frankreich) sicher einhalten zu können. Im Rahmen des Zertifikats Blauer Engel für Kaminöfen haben 4 von 5 Herstellern mit erfolgreicher Zulassung Blue Fire Katalysatoren eingesetzt.
Frank Hoferecht
Ist seit 2015 geschäftsführender Gesellschafter der Blue Fire GmbH, gilt als Kenner von Holzfeuerungen und ist auf Katalysatoren für Holzfeuerungen spezialisiert.
(…) Wir alle warten noch auf die Vorgaben des Gesetzgebers, um die Katalysatortechnologie flächendeckend einführen zu können. Aus Sicht der Endverbraucher werden Katalysatoren eher wahrgenommen, wenn es um das Thema Nachrüstung geht. Dies ist aber seit dem 31.12.24 nur noch mit Ausnahmen möglich. (…) Bei Kontakten zu Endverbrauchern fällt uns immer wieder auf, dass der Unterschied von gasförmigen Emissionen zu Partikeln gar nicht klar ist. (…) Auch beim Thema Feinstaub und Staub besteht aus unserer Sicht hoher Aufklärungsbedarf. (…) Die Branche sollte sich aus meiner Sicht deutlich innovativer aufstellen und präsentieren und mit den Innovationen glänzen und Geld verdienen.
Camina & Schmid: Ein Argument, welches wir immer wieder von KOB und Endkunden gespiegelt bekommen, sind neben dem Preis auch Bedenken zur Wartung und Pflege der Produkte. Wie viele Abbrände übersteht ein Katalysator? Wie schnell setzt er sich zu und wie sollte ich ihn dann reinigen?
Frank Hofrecht: Es kristallisierte sich die Aluminiumoxid-Schwammkeramik mit einer Porösität von 10 Pores per Inch als das Material heraus, das es ermöglicht, sehr viele Oberflächenkontakte von durchströmendem Abgas und Substrat zu gewährleisten und gleichzeitig einen nur sehr geringen Druckverlust darstellt. Der Katalysator hat bei 10 ppi eine Porenstruktur, deren Durchmesser bei 3–4 mm liegt. (…) Am Katalysator angelagerter Ruß verbrennt aufgrund der exothermen Reaktion des Katalysators und aufgrund der Abgastemperaturen im Abgasstrom, in den der Katalysator eingebaut ist. (…) Wir begleiten unsere Kunden bei der Integration von Blue Fire Katalysatoren bei den ersten Tests und bei allen Fragen, die rund um unsere Katalysatoren auftreten. Im Forschungsprojekt NEKO, in Zusammenarbeit mit dem DBFZ, wurde ein realer Langzeittest an einem Kaminofen durchgeführt. (…) Es konnte mit diesem Vorgehen nachgewiesen werden, dass auch nach 3 Heizperioden keine Alterung an den Katalysatoren feststellbar war. An der Hochschule Niederrhein (…) wurde der Blue Fire Katalysator (…) im Glasrohr-Reaktor getestet. (…) Der Test zeigte, dass nach 4000 Betriebsstunden, also nach 4,7 Heizperioden, die Aktivität des Katalysators nachlässt. (…) Das heißt, dass die katalytische Wirkung nach 4–5 Heizperioden abnimmt und der Katalysator ausgetauscht werden sollte. (…) Trockener Ruß kann einfach mit einem Handfeger oder einem Staubsauger (dieser sollte mit einem HEPA Feinstaubfilter ausgerüstet sein) abgereinigt werden. (…) Sollte tatsächlich Teer am Katalysator angelagert werden, muss der Katalysator ausgetauscht werden. Wir kaufen die Altkatalysatoren dann gerne an, da wir die im Katalysator verwendeten Edelmetalle zu 95 % wieder zurückgewinnen und erneut verwenden können. (…) Nach vier Heizperioden sollten die Katalysatoren also gegen neue getauscht werden.
Camina & Schmid: Wie stark belastet es Ihr Unternehmen, dass der Einbau solcher Systeme bisher nicht verpflichtend ist, und wie gehen Sie unternehmerisch mit dieser Unsicherheit um?
Frank Hofrecht: Wir sind in der Branche tief verwurzelt und sehen uns als Spezialisten auf dem Gebiet der katalytischen Emissionsminderung im Holzfeuerungsbereich. (…) Es fehlt an innovativem Antrieb, an den gesetzlichen Forderungen und einheitlichen Bewertungsmaßstäben. (…) Von solchen Bedingungen kann natürlich keine Firma existieren. Deshalb sind wir seit längerer Zeit in parallelen Märkten aktiv, die uns die Umsätze sichern, die wir benötigen. (…) Sollten sich hier die Bedingungen (…) nicht deutlich verbessern, werden wir unseren wirtschaftlichen Schwerpunkt verlagern.
Camina & Schmid: Was müsste aus Ihrer Sicht politisch oder regulatorisch passieren, damit sich Unternehmen wie Ihres langfristig am Markt behaupten können?
Frank Hofrecht: Die gesetzlichen Forderungen sollten durch neue Grenzwerte angepasst werden. (…) In klar definierten Schritten sollte die emissionstechnische Optimierung von Holzfeuerungen gefordert werden. (…) Wir sollten mit den ungeregelten Katalysatoren anfangen und die Hersteller nicht überfordern. (…) Gesetze und Normen müssen in kürzeren Perioden überprüft und an den aktuellen Stand der Technik angepasst werden. (…) Eine Förderung für den Einsatz von Emissionsminderungsmaßnahmen in Holzfeuerungen sehe ich als positiv an. (…) Auch hier ist der Gesetzgeber gefordert.
Camina & Schmid: Glauben Sie, dass die Branche oder die Politik den technologischen Fortschritt verschläft oder fehlt schlicht der wirtschaftliche Anreiz?
Frank Hofrecht: Aus meiner Sicht geschieht beides gleichzeitig. Wir sind bei der Erstellung von Vorgaben, die an den Stand der Technik angepasst werden, sehr träge geworden. Diese Prozesse dauern zu lange. Gesetze und strengere Vorgaben sollten nicht als Strafe oder Belastung angesehen werden, sondern als Anreiz, um im Markt attraktive Lösungen an bieten zu können und technisch führend zu bleiben. Die Branche erlebe ich als sehr vorsichtig und zurückhaltend. Anstatt zu diskutieren und daran zu arbeiten, die Bedingungen immer möglichst gleich zu halten, sollte die Branche aktiv daran arbeiten ein innovatives Bild abzugeben.
Camina & Schmid: Was passiert, wenn es morgen eine gesetzliche Pflicht gäbe aber Unternehmen wie Ihres bis dahin vom Markt verschwunden sind?
Frank Hofrecht: Wir werden sicher nicht vom Markt verschwinden. Wir sind ein junges, aktives und dynamisches Unternehmen mit vielen starken Ideen für zukünftige Lösungen hinsichtlich der Emissionsminderung. Im Firmenverbund mit den Muttergesellschaften Emission Partner GmbH & Co. KG und der Ingenieurgesellschaft ETE Engineering GmbH erarbeiten wir Lösungen zur Minderung von Emissionen jeglicher Art. Dafür sind wir am neu gebauten Standort in Saterland bestens aufgestellt. Wir orientieren unseren Fokus jedoch auf die Branchen, die für uns interessante Umsätze bieten.
Es liegt an der Branche selbst, zu entscheiden, wie es in naher Zukunft weiter gehen soll. Noch sehe ich Blue Fire als den Spezialisten für katalytische Emissionsminderung in der Holzfeuerungsbranche. Alle anderen Hersteller von Katalysatoren, sofern diese überhaupt selbst beschichten können, widmen sich anderen Schwerpunkten und anderen Branchen.
Camina & Schmid: Was wünschen Sie sich konkret von Herstellern, Verbänden und der Politik, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen?
Frank Hofrecht: Von den Herstellern: Innovationsfreude und Mut neue aber dennoch berechenbare und erprobte Technologien, wie Katalysatoren, in Serie einzuführen, auch wenn dies nicht explizit gefordert ist. Katalysatoren bieten gegenüber dem Marktbegleiter auch eine Möglichkeit, sich abzusetzen und Mehrwert zu bieten. Bei steigenden Stückzahlen haben wir von Blue Fire noch Potenzial, die Kosten für Katalysatoren zu reduzieren. Ich wünsche mir, dass die Hersteller erkennen, dass mit Katalysatoren auch zusätzliche Einnahmen erzielt werden können. Katalysatoren bieten einen eindeutigen Mehrwert und Nutzen, der erklärt und verkauft werden muss. Die Erlöse daraus stellen zusätzliches Potenzial dar. Von den Verbänden: Eine positive und in die Zukunft gerichtete Argumentation für die Nutzung von neuen Technologien gegenüber dem Handwerk, den Endverbrauchern und gegenüber der Politik. Bislang wird aus meiner Sicht rückwärtsgerichtet argumentiert. Druck durch Presse, Politik oder NGOs wird durch eine Argumentation mit Aufzählungen der Dinge, die man schon getan hat, abgemildert. Es ist keine progressive und proaktive Argumentation bei den Verbänden sichtbar. Ich wünsche mir, dass die Verbände dem Gesetzgeber aktiv neue und innovative Lösungen vorstellen und als Lösung anbieten. Zudem wünsche ich mir, dass deutlich mehr und zielgerichtet über Katalysatoren berichtet und informiert wird, um Unsicherheiten bei Handwerk, Handel und Schornsteinfegern auszuräumen. Von der Politik: Schnellere Umsetzung von neuen Vorgaben. Vorgaben, die in kürzeren Perioden an den aktuellen Stand der Technik angepasst werden und die mit Augenmaß und nicht mit Überforderung festgelegt werden. Bei kürzeren Überarbeitungszeiträumen können Änderungen an Vorgaben deutlich schneller und genauer angepasst werden. Ich wünsche mir zudem von der Politik eine offene Gesprächskultur, in der auch die Lieferanten der Holzfeuerungsbranche Gehör finden. Die Einführung eines Förderprogramms, ähnlich wie Conto Termico, würde eine deutliche Minderung der Emissionen bei gleichzeitiger finanzieller Stärkung der Holzfeuerungsbranche und Verringerung der Umweltbelastung bedeuten. Der Blaue Engel für Kaminöfen ist da. Einzelne Zertifikate wurden von Herstellern erlangt, ohne, dass diese technologisch fortschrittlichen Kaminöfen vermarktet werden können. Hier sehe ich die Politik in der Verpflichtung, Vorgaben einzuführen, die die Nutzung von Blauer Engel Kaminöfen in Verbrennungsverbotszonen erlauben. Ohne Legitimation oder Sonderregelungen für nach Blauem Engel zertifizierte Kaminöfen, wird sich dieses überall bekannte Logo bei Kaminöfen nicht durchsetzen.
Unser Beitrag
Wir von Blue Fire Katalysatoren sind bereit, das Gespräch aufzunehmen und unseren Teil der Lösung beizutragen. Seit 10 Jahren sind wir vertrauensvoller Partner der europäischen Holzfeuerungsindustrie. Unser Know-how und unsere Erfahrungen teilen wir gerne mit Partnern, die zusammen mit der Blue Fire GmbH eine Lieferung im Serienvolumen anstreben. Die Branche profitiert dabei von unserer starken Vernetzung und von unserer langjährigen Erfahrung im Bereich Holzfeuerungen und Katalyse. Wir sind da, um Sie zu unterstützen. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für eine saubere und zukunftsfähige Holzfeuerung.
„Technologie und Innovation treibt unsere Gesellschaft seit Generationen an, wenn sie vermarktet wird.“
Frank Hoferecht, Blue Fire GmbH