Nachhallende Erlebnisse

Urgesteine des Unternehmens

Wenn Heike Bork und Rolf Witkowski über die frühen Jahre im Werk erzählen, öffnet sich der Blick in eine Zeit, die heute fast unwirklich wirkt. Morgens füllte sich der große Fahrradschuppen, denn ein eigenes Auto besaßen nur wenige. Am Tor stand der Pförtner, Ausweise wurden kontrolliert, Fehlende wurden persönlich von zu Hause abgeholt. Arbeiten war Pflicht. Wer sich entzog, riskierte Gefängnis und wurde später in Wiedereingliederungsmaßnahmen geführt.

„So war das eben, es gehörte dazu“, sagt Rolf. In den späten 1980er Jahren arbeiteten rund 420 Menschen in Rathenow, darunter etwa 130 Frauen. Dass Frauen selbstverständlich erwerbstätig waren und Männer und Frauen gleich bezahlt wurden, war Teil der gesellschaftlichen Struktur. Im Westen war das zu dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit. Entscheidend war für viele nicht das System, sondern der Alltag geprägt von Kollegialität und einem starken Gemeinschaftsgefühl im Werk selbst.

Heike arbeitete in der Verwaltung. Nach der Wende, als Olsberg das Werk übernahm und viele Verwaltungsstellen abgebaut wurden, stand sie vor einer Entscheidung: ins Lager wechseln oder das Werk verlassen. „Als alleinerziehende Mutter wollte ich unbedingt bleiben. Ich brauchte diese Arbeit, sonst hätte ich nichts gehabt.“ Mit der neuen Zeit änderten sich Prozesse, Abläufe und Prioritäten. Für die Belegschaft war entscheidend, dass das Werk weiter lief und sie sich den neuen Bedingungen anpassen konnten. „Wir waren froh, dass es weiterging. Gehen wollte eigentlich keiner, und anderswo gab es auch nicht mehr“, erinnert sich Rolf. Nicht alle blieben. Viele, gerade die Jüngeren, suchten ihre Zukunft im Westen. „Man konnte das verstehen“, sagt er. „Unser Leben war aber hier. Wir wollten nicht weg. Wir sind gereist, ja, aber wir waren auch immer schnell wieder zurück. Wir sind hier zu tief verwurzelt und bis heute mit dem zufrieden, was wir haben.“

So unterschiedlich die Wege auch waren, die Erzählungen eint ein gemeinsamer Hintergrund. Die DDR war stark reguliert, vom Schulweg über die Lehre bis hin zur Armeezeit. Vieles war vorgegeben, manches schränkte ein. Und doch entstand in diesem Umfeld ein starkes Gefühl von Zusammenhalt, das viele bis heute prägt. „Wir haben nichts vermisst“, ergänzt Rolf ehrlich.

Heute blicken die beiden gelassen und mit einer gewissen Zufriedenheit zurück. Heike ist seit 42 Jahren im Unternehmen, Rolf seit 45. Der Name Witkowski setzte und setzt sich sogar schon über Generationen hinweg im Unternehmen fort: Sein Vater arbeitete bereits im Werk, auch sein Sohn war zeitweise Teil des Teams. Ihre Erinnerungen machen deutlich, wie eng Arbeit, Leben und Gemeinschaft in Rathenow miteinander verbunden waren und es bis heute sind. Der Stolz auf das Geschaffene, die Beständigkeit und die gemeinsame Entwicklung sind geblieben, auch wenn sich vieles verändert hat.

Ost und West ist heute eine Frage der Perspektive

Mit dieser Ausgabe des Feuerboten möchten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Treue, ihren Einsatz und die persönlichen Einblicke, die sie hier mit uns teilen, danken. Die porträtierten Kolleginnen und Kollegen stehen stellvertretend für das gesamte Team, das mit Charakter, Wissen und Zusammenhalt das Unternehmen an beiden Standorten vertritt. Nicht alle können in diesem Heft vorgestellt werden, doch jeder Einzelne trägt Tag für Tag dazu bei, dass Camina & Schmid nach außen hin stark auftritt und nach innen ein Ort bleibt, an dem Zusammenarbeit funktioniert. Gerade die Vielfalt an Persönlichkeiten, Erfahrungen und Fähigkeiten gibt unserem Unternehmen das Gesicht, das unsere Partner schätzen. Dieses Miteinander ist es, das uns Ausdauer und Stärke verleiht und uns voranbringt.

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